Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt und Pony, stark geschminkt mit elegantem Kopfschmuck, Porträtaufnahme
tak Theater Aufbau Kreuzberg
04.11.2022
19:30 Uhr

The Holy Bitch Project

Theater
Berlin Premiere

"The Holy Bitch Project ist ein aufrüttelndes Theatermeisterwerk." (Süddeutsche Zeitung)

Christiane Mudra untersucht in The Holy Bitch Project anhand von Gesprächen mit betroffenen Frauen und Expert:innen Dynamiken von analoger und digitaler Gewalt gegen Frauen in Deutschland sowie ihren kulturellen wie gesellschaftlichen Nährboden. In Anlehnung an den Film Matrix (1999) schlucken die Zuschauer:innen wie der Filmheld Neo die rote Pille Das Publikum folgt den Performer:innen in ein Labyrinth aus szenischen Fragmenten, binauralem Sound, dokumentarischen Videos und 3D Animationen, in dem häusliche, sexualisierte und digitale Gewalt bis hin zum frauenfeindlichen Terror der sog. „Incels“ erfahrbar werden. Da die „Manosphere" und die sog. „Incels“ die Filmmotive zur Verbreitung misogyner Verschwörungserzählungen nutzen, macht sich The Holy Bitch Project die Matrix-Welt bewusst zu eigen und etabliert ein feministisches Gegennarrativ.


Im November 2019 wurde eine 28-jährige Berlinerin von ihrem Partner erstochen, weil sie sich trennen wollte. Die Justiz stuft die Tat wie in vielen ähnlichen Fällen als Totschlag ein, denn der Bundesgerichtshof hatte 2008 geurteilt, der niedere Beweggrund als Mordmerkmal sei anzuzweifeln, wenn „die Trennung von dem Tatopfer ausgeht und der Angeklagte sich durch die Tat dessen beraubt, was er eigentlich nicht verlieren will“. Ende September 2019 urteilte das Landgericht Berlin, dass die Bezeichnung „Drecks-Fotze“ für die Bundestagsabgeordnete Renate Künast keine strafbare Beleidigung sei. Diese Gerichtsurteile zeigen exemplarisch, mit welchen Wertesystemen Frauen nach wie vor konfrontiert sind. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Die Zahl der Tötungsversuche ist dreimal so hoch. 2019 wurden fast 115.000 Frauen Opfer häuslicher Gewalt. Während der Pandemie nahmen die Taten weiter zu. 

Nur eine von hundert vergewaltigten Frauen in Deutschland erlebt die Verurteilung des Täters. Nachdem der Bundesgerichtshof noch 1966 „Opferbereitschaft“ beim ehelichen Geschlechtsverkehr gefordert hatte, wurde die Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 verboten. Die MeToo-Debatte hat erstmals eine breite Sensibilisierung für sexualisierte Gewalt bewirkt. Echte Konsequenzen sind jedoch ausgeblieben. 

Auch online werden Politikerinnen, Journalistinnen oder Aktivistinnen mit Mord- und Vergewaltigungsdrohungen bombardiert. Im Bereich des Stalkings oder der Überwachung der eigenen Partnerin bietet die Digitalisierung hoch invasives Werkzeug wie das Auslesen von Mobilgeräten durch Spy Apps, die den Psychoterror perfektionieren. Die Phänomene sind nicht neu. Doch digitale Mittel spitzen sie zu.

Angesichts der konstant hohen Gewaltzahlen untersucht The Holy Bitch Project neben den Erfahrungsberichten betroffener Frauen und der Rechtslage in Deutschland auch patriarchale Strukturen, gewaltverherrlichende Songtexte, Rollenklischees in Liebesgeschichten sowie die Erniedrigung von Frauen in Mainstreampornos und das auf Ausbeutung basierende Geschäftsmodell. 
Im Kern steht die Fragen: Wo beginnt Gewalt? 

Wie gelingt es uns als Gesellschaft, patriarchale Strukturen zu überwinden und für Augenhöhe und Respekt einzutreten?
Ziel des Abends ist es, die Aufmerksamkeit für die Dimension seelischer und physischer Gewalt gegen Frauen zu schärfen, Angehörige aller Geschlechter miteinander ins Gespräch zu bringen, ein Zeichen zu setzen und handlungsfähig zu werden.

Hinweise

Das tak Theater bittet seine Gäste, innerhalb des Theaters und während der Vorstellungen eine Maske zu tragen.

Infos

Tickets 16 €/10 € erm.
Berlinpass am Einlass

Zugang

Prinzenstraße 85 F UG

Weitere Termine
  • 02.11.2022 19:30 Uhr
  • 03.11.2022 19:30 Uhr
  • 04.11.2022 19:30 Uhr